Balladen 

 Inhaltsverzeichnis zum Anklicken

 Lausige Zeiten ----- Der Padrone ----- Unpäßlich ----- Die Sensation ----- Sir Henry ----- Silicon Mary Gerontofilius

 Winnetous Tod ----- Die Ballade von Bruno und Kuno ----- Sir Henry ----- Kosmische Heimsuchung

 Ritter Gunther ----- Die Feuerwehr von Neustadt

 

 Lausige Zeiten

 Herr Kaps hat eine Laus,

 die trinkt gern Schnaps.

 Er nennt sie Klaus.

 Zur Mittagszeit lugt Klaus

 Dem Kaps zum Kragenknopfloch raus

 Und klagt: Mensch Kaps,

 Du trinkst ja Schnaps zum Essen

 - wo bleibe ich?

 Grad ausgekämmt, und schon vergessen?

 Und Klaus verliert alsbald

 Die Contenance und dann den Halt

 Und stürzt bereuend schließlich

 Jetzt fast schon frei von Neid

 (Obschon nicht weniger verdrießlich)

 Mitten in Kapp's Teller. Und verzeiht.

 Doch rettet ihn das nicht,

 Zu heiß ist das Gericht.

 Das ist das Ende von Kaps Laus

 Im Labskaus.

 

 

 Der Padrone

 Don Vito ist nicht amüsiert
 Fühlt von Giovanni sich düpiert

 Weil dessen Basen nicht so wollen
 Wie er’s gern hätte daß sie sollen.

 Ein j
üngst ererbtes Weidestück
 Des Bruders
braucht der Clan zurück.

 Vetter Giovanni soll die Damen lenken
 Daß sie den Fall noch mal bedenken.

 Für alle wär’ das vorteilhaft
 Denn Blut sei roter Lebenssaft.

 Und sagten seine Basen nein
 Zerbräch’ er ihm das Nasenbein!

 Don Vito, der alsbald erfuhr
 Eine der Damen bliebe stur

 Bestellt Giovanni zum Rapport .
 „Patron, ich gebe dir mein Wort

 Verlockend war mein Angebot!
 Ich hab’ geschmeichelt und gedroht!

 Man kann’s nicht zwingen, Pate, denn
 Es sind doch Frauen! Und selbst wenn

 Auf Brechen ich und Biegen zock’ -
 Aurelia bleibt stur wie 'n Ziegenbock.

 Doch lege nur nicht Hand an sie:
 das Weidestück bekommst du nie!

 Das hat Don Vito sehr verdrossen.
 „Madonna, jetzt wird Blut vergossen!

 Und wenn ich diese Alte kasche,
 bist du, mein Freund, längst kalte Asche!

 

 

 Unpäßlich

 Der König ist schon hochbetagt
 Die Furcht an seinem Herzen nagt:
 Wer wird der nächste König sein?
 Der Gatte für sein Töchterlein?

 „Man rufe aus im ganzen Land:
 Ich biete meiner Tochter Hand
 Dem hochgalanten Edelmann
 Der sie am besten lieben kann!

 Dazu mein ganzes Königreich!
 Der Herold ruf’ es aus sogleich!
 Und wer den hohen Preis begehrt
 Besteige frohen Muts sein Pferd!“

 Drauf zog heran von fern und nah
 Die buntgescheckte Freierschar
 Dem Mägdlein wurde bang ums Herz
 Schnürt’ fester Hermelin und Nerz

 Und rief den Herold zu sich her:
 Verkünde er die triste Mär:
 Die Hoheit plagt der Nierenstein.
 Sie sagt heut allen Stieren „nein“.

 

 Die Sensation

 Kennt ihr schon die Sensation
 Von Klein-Wutz bei Iserlohn?
 Dort erhielt die Bundesstrasse
 Grad eine Umgehungs-Trasse.

 Diese bietet freien Blick
 Auf ein kleines Wiesenstück,
 Wo sich neben Bienchen, Hummeln
 Manchmal auch Nudisten tummeln.

 Das führt bei Schönwetterlagen
 Allzumal an Feiertagen
 Gleich nach Psalm und Katechismus
 Zu verstärktem Nahtourismus.

 Pfarrer und Gemeinderäte
 Fordern, daß man etwas täte
 Und die Wutzer Ehefrauen
 Wollen eine Mauer bauen!

 Kommt sie denn, die Trassenmauer
 Falln die Kerls in Massentrauer.

 

 

 Sir Henry

 Sir Henry trug nur großkariert
 Im Umgang war er leicht blasiert
 Im Kopfe nur Polo und Pferde.
 Er liebte die Jagd
 Und manchmal die Magd
 Mit gentlemanliker Gebärde.

 Sein Herz gehörte einem Weib
 Mit tadellos gestyltem Leib
 Das schwärmte für Kunst und £ Sterling
 Sie war so cool
 Im Swimmingpool
 Und nannte sich Pamela Sperling.

 Du weihst mich bitt’rer Todespein
 Erhöre mich und werde mein!
 Klagt Henry der Liebsten sein Leid.
 Wer mich will beringen, 
 Muß göttergleich singen,
 Zwitschert die listige Maid.

 Für dich nur werd ich Arien singen
 Von Liebesglut und ew’gen Dingen
 Am Sonntag gleich auf meinem Landsitz
 Dort sang er keck
 Caruso playback
 Und schaut ihr dabei noch ins Antlitz.

 Da spricht sie mit List: du singst so rein!
 Und alles für mich? Das darf nicht sein!
 Nur edelsten Wesen auf Erden
 Gebührt dein Gesang
 Dein liebender Drang
 Sing’ du nur vor deinen Pferden!

 Den Spott hat Henry nie verwunden.
 Er eilt, im Innersten zerschunden,
 Mit fliegenden Fahnen
 Aufs Schloß seiner Ahnen.
 Dort wählt er den schönsten Säulengang
 Wo er hinfort vor den Gäulen sang.

 

 

 

 Silicon Mary

 Die Mary war ein Megastar
 Bekannt aus Funk und Fernsehen
 Doch als sie in den Jahren war
 Wollt' man sie nicht mehr gern sehen.
 Die Jahre, dem Verfall verschwägert
 Hatten ihr fabelhaftes Gesäß
 Dem Geozentrum angenähert
 Unerbittlich und naturgesetzgemäß.

 Es fand sich sehr bald ein Experte
 Für plastische Chirurgie
 Der ihr die Lösung erklärte
 So dass sie dem Schicksal verzieh:
 Was der Zahn der Zeit ihr figürlich
 Ganz hinterrücks zugefügt
 Kaschiert der ganz jugendnatürlich
 Dass es höchstem Anspruch genügt.

 Hochberühmt war der Experte.
 Im Illustrierten-Fachjargon
 Hieß er bisweilen auch "der alerte
 Michelangelo des Silikon".
 Als "Meister der Nadel" wird er auch tituliert
 Weil ein Karomuster von bunten Nähten
 Das Kunstwerk am Ende ziert
 Welche Künstlerhand verräten.

 Doch als der Verband abgenommen
 Ein Mottenschwarm sich erhob
 Der machte Marie ganz beklommen
 Und bracht' dem Experten kein Lob.
 Der Spiegel zeigte nur Wunden
 Wo früher mal heile Haut
 Die hatte sich septisch entzunden.
 Und nun wurde Mary laut:

 Dir Elendem hab ich vertrauet
 Mit dem Herzen und auch mit dem Po
 Und Luftschlösser hab ich erbauet
 Auf allerhöchstem Niveau.
 Jetzt werde ich eklig und barsch
 Du glanzvoller Mottenschuster
 Meine Zukunft ist gründlich am Arsch -
 Verdammt sei Dein Schottenmuster!

 

 

 Gerontofilius

 Es geschah, daß der Kalif
 Seine Scheiche zu sich rief.
 „Neue Lande hat das Reich
 Jüngst erobert. Jeder Scheich
 Soll ein Teil davon erhalten
 Um es treulich zu verwalten,
 Schaden von ihm abzuwehren
 Und den Wohlstand zu vermehren“.
 Sprach’s noch im Kanonendröhnen
 Zu den treuen Wüstensöhnen.

 „Hamis, Ajmal, Ibn Said!
 Endlich ist es an der Zeit
 Eure Treue zu belohnen!
 Nicht in Zelten sollt ihr wohnen,
 Prunkvoll künftig in Palästen
 Gebt Ihr Audienz den Gästen
 Und die edelsten Eunuchen
 Bringen Wein und süßen Kuchen.
 Eure Harems sind schon heut
 Stätten der Vollkommenheit“.

 „Was von dem des Al-Khassan
 Man so nicht behaupten kann:
 Greise Weiber, üble Vetteln,
 Die tags auf den Straßen betteln,
 Sprich, soll das ein Harem sein?
 Eher wohl ein Altersheim!
 Kruzifix und Zapperment!
 Schande für den Orient!
 Ich schenke meinen Scheichen Länder
 Doch niemals einem Leichenschänder!”

 

 

 Winnetous Tod

 Der Staub verweht, die Schlacht vorbei,
 Der Kriegsrat tagt, mit wildem Schrei
 Quittieren die Männer den Beschluß
 Daß der Gefangene sterben muß.

 Nebst Winnetou auch N-Tscho-Tschi
 Die rote Perle der Prairie.
 Howgh! Howgh! Spricht furchtlos Winnetou
 Wir fahren auf zu Manitou!

 Drauf knurrt der Häuptling der Huronen:
 Na jut! Da wirste nun bald wohnen!
 Doch jetze, Bruder, fahrt’er mal
 Zum Rendez-vous am Marterpfahl!

 

 

 

 

 

 Die Ballade von Bruno und Kuno

 Ich erzähle euch eine Geschicht´
 Glaubt sie mir ganz -
 oder glaubt sie mir nicht:


 Den Bruno biß plötzlich beim Baden
 ’Ne Plötze mit Macht in die Waden.
 Wacht Bruno beim baden, weiß er:
 Hier lauert Kuno, der Wadenbeißer!

 Das Christfest, beim ersten Schnee
 Sieht Bruno als Angler am See.
 Sieh da! Auch auf Made beißt er!
 Frohlockt der siegreiche Bademeister.

 

 

 Kosmische Heimsuchung

 

 Lord Henry

 Stand auf Abenteuer -

 Weia, au weia, auf Weiba!

 

 Auf Albion stets

 lärmte er, wie sehr

 Vom Nordlicht schwärmte er

 

 Und fuhr von

 Dort mit seiner neuen

 Flamme nach Lappland fort.

 

 Doch am

 Polarkreis stellt - o Graus!

 Brutal die Wahrheit sich heraus

 

 Ein galaktisches Phänomen

 (vielleicht ist es gar

 Psychogen):

 

 Denn bei

 Nordlicht

 Kann der

 Lord nicht.

 

 

 

 Ritter Gunther

 

 Gunther, obwohl Rittersmann

 Fängt sofort zu zittern an

 Wenn ihn ruft die heil'ge Pflicht

 Auf ins blutige Gefecht.

 

 Nicht der Feinde Übermacht

 Hat ihm je was ausgemacht

 Doch hat er ein Burgfräulein.

 Und das läßt er nicht gern allein.

 

 Gwendolin heißt diese Maid

 Schön wie keine weit noch breit.

 Gunther ist als rechter Mann

 Ihr in Minne zugetan.

 

 Hinter hohen Söllermauern

 Denkt er, kann sie mir versauern.

 Grade wenn es draußen kalt

 Ist der beste Aufenthalt

 

 In dem Bette, unterm Pfühle.

 Eine Wärmflasche die Kühle

 Hier sehr rasch vertreiben kann -

 Doch ach! Manchmal sind Ohren dran!

 

 Sicher ist Vertrauen gut

 In die Menschheit. Absolut

 Wird die Sicherheit doch nur

 Durch Kontrolle der Natur.

 

 Gunther konsultiert den Schmied

 Und bestellt, mit Nut und Niet

 Solch neumod'sches Eisenhöschen

 Für der Gwendi kleines Möschen

 

 Vorn mit einem Gitter dran

 So man fest verschließen kann,

 Das vor fremdem Zugriff schützt

 Wenn Mann mal im Felde ist.

 

 Solchenfalls hat Gwendolin

 Ihren Blechslip anzuziehn.

 Vorm Gefecht läßt Ritter Gunther

 Dann nur noch das Gitter runter.

 

 

 

 Ritter Gunther 2

 

 Bildungsreich trotz seiner Jugend

 Zierte Gunter manche Tugend:

 Beispielsweis' als Reimeschmied

 Pries er in so manchem Lied

 Minne und Frau Gwendolin.

 Meist stand auch vom Mond was drin.

 

 Las er Stanzen nachts am Stammtisch

 War's dramatisch wie romantisch.

 Nur das Fräulein Gwendolin

 Hatte hierfür wenig Sinn

 Denn die bitterlichsten Schmerzen

 Rissen barsch an ihrem Herzen

 

 Immer, wenn sie Gunther, ah! -

 Mit der Muse knutschen sah.

 "Grausamer!" rief sie, und: "Ehrlich,

 Mir ist Deine Kunst entbehrlich!

 Rittersmann, verschon denn mein

 Mit Stanzenkunst und Mondenschein!"

 

 

 Die  Feuerwehr von Neustadt    

   Packt der Winter Maus und Mann    

     Mit Eis und bittrer Kälte an    

  Wünscht man sich ein Feuer helle    

  In der off'nen Feuerstelle    

  Urig-rustikal daheim    

  Das ist Wohnkultur ganz fein.    

 

   Doch was uns Prometheus brachte    

 Hüte man, damit es sachte    

  Brenne. Erst einmal entfesselt,    

  Staunt der Bürger, wie das kesselt!    

 Ruft sodann die Feuerwehr    

  Räumt noch schnell sein Häuschen leer.    

 

  Leider wehrt die Feuerwehr    

  Von Neustadt keinem Feuer mehr.    

  Der Kessel leck, der Schlauch ist brüchig,    

  Aus dem Auspuff qualmt es tüchtig,    

  Und der Hauptmann rügt seit Zeiten    

  Solche Unzulänglichkeiten.    

 

  Eine neue Wehr kommt leider    

  Fürs Amt Neustadt ziemlich teuer    

  Weshalb auch der Stadtrat mauert.    

  Doch der Feuerhauptmann powert:    

  Wenn in Neustadt einst ein Band hause    

  So lösche der Stadtrat - mit der Handbrause!     

 

 

 

 1500

 

 Gier   und    niederste   Gelüste

 Führten an  Westindiens Küste

 Spanier    und    Portugiesen   -

 Was man meist verübelt diesen.

 Zu Cortez sprach Isabella:

 Ich mach ihn zu Mortadella

 Findt' er El Dorado nicht -

 Und nun tu er seine Pflicht!

 Dieses Weib war gar kein Holdes.

 Sie reizt' nur der Glanz des Goldes

 Das der Eisenmann bald für sie klaute.

 Auf dem Meere herrschte Flaute.

 Viel versklavte Arbeitsleute

 Luden auf ein Schiff die Beute

 Welches, jetzt mit Säuselwind

 Schließlich Kurs auf Spanien nimmt.

 Aus Britannien kam der Maat.

 Unklug war es, was er tat

 Als er, weil die Bark nicht lief,

 Lauthals "Hurry, Kahn!" ausrief.

 Kaum hört's der Klabautermann,

 Fängt es schon zu blasen an.

 Es war nachts vor den Bahamas.

 "Alle raus aus dem Pyjamas!"

 Luvseits den Conquistadoren

 Reißt ein Sturmwind an den Ohren,

 Wie auch an des Schiffes Rumpf.

 Spanten krachen hohl und dumpf.

 Zu dem Tanz der Kompaßrose

 Sinkt das Herz tief in die Hose

 So manch üblem Desperado

 Tief erschauernd im Tornado -

 Und mit Recht: denn diese Reise

 Endet hier verdienterweise.

 Heute liegt der ganze Reichtum

 Nach wie vor im großen Teich rum.

 

 

 

 

 

 

 

 

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