G  ö  t  t  l  i  c  h      

 

 W e i t e r  u n t e n : die Rubrik "Kirchen- und sonstige Feste


 

 

 

 

 Susanne im Bade 

 

 Wäre Susanne nicht von zwei Greisen in Versuchung geführt worden, sondern von zwei 

 attraktiven jungen Männern, wäre die biblische Geschichte vielleicht so ausgegangen: 

 

 Die Chancen auf Gewinne sanken, 

 Dann sah er ihre Sinne wanken 

 Und freundlich Frau Susanne winken: 

 "Mit dir nur in die Wanne sinken!" 

 

 Ja, wenn der Minn' Gewinne sinken, 

 Bisweilen doch die Sinne winken! 

 Wie hier: man sah Susanne wanken, 

 Bis beide in die Wanne sanken. 

 

 

 

 Die Sündflut 


 (Noah, nach kurzer, aber heftiger 
 Auseinandersetzung mit JAHWE): 

 "Der alte Mann ist heuer stinkig. 
 Deshalb zur Arche Steuer hink ich... 
 Und tue euch jetzt was ich muß kund: 
 Oll' JAHWE machte keinen Kußmund! 

 Die Schöpfung soll an Land versaufen, 
 Die Spuren bald im Sand verlaufen. 
 Die 'n Platz in meinem Stalle erben, 
 Sollen leben. Sonst wohl alle sterben." 

 Voll Trübsal grunzt das Warzenschwein: 
 "Voll krass! Schenkt aus den schwarzen Wein!" 
 "Ich glaubs nicht", kräht der Hahn da platt, 
 "Daß JAHWE solchen Plan da hat!" 

 "Ach Kinder, niemand, groß und klein, 
 Sei nun ein Trauerkloß - und grein! 
 Kommt rauf auf meinen Wellenreiter! 
 Sonst geht's nur für Forellen weiter! 

 Ob einer groß, ob einer zart, 
 Ein Jeglicher nach seiner Art! 
 Pro Art wohl Sieben an der Zahl - 
 Nur Fische nicht wie... Zander, Aal. 
 

 Daß er mal Kind und Basen nähr, 
 Willkommen sei der Nasenbär!" 
 Schon baut am Mast die brave Hausmaus 
 Dem Mäuserich ein kleines Maushaus. 

 "Kommt, Kühe mit dem Brustgeläute! 
 Was seid ihr doch für lust'ge Bräute! 
 Doch laßt doch die Extasen hier,  
 Ihr ängstigt nur das Hasentier". 

 

 Und als sie seine Schwingen sahn, 
 Ihn fragten: "Kannst du singen, Schwan?" 
 "Gesänge", schnattert da die Saatgans, 
 "Hier auf der Arche, obligat sans!" 

 "Hey, Vorsicht im Gedränge, Kuh! 
 Du quetschst das Kind vom Känguru! 
 Die Fledermaus, sie hänge ihr 
 Gefleder nicht ins Enge hier!" 

 "Was sollen wir mit den Löwen machen? 
 An Deck? Daß nicht die Möven lachen!" 
 Voll Panik schreit die Mutterkuh : 
 "Nur den nicht auf den Kutter! Muh!" 

 "Zu Recht traut man den Leuen nicht, 
 Doch seht sie hier im neuen Licht. 
 Man sieht es auch den Bären an: 

 Die Wildheit zähmt ein Ehrenbann! 

 Der Fuchs bekommt 'ne Eierrente 
 Vom Kranich und der Reiherente. 
  Euch Gänse, Enten - Oh, er frißt 
 Euch nicht, weil lebensfroh er ist! 

 

 "Das Stinktier macht dem Namen Ehr', 

 Nicht gern man's bis zum Amen nähr' ", 

 So hörte man die Hasen nölen. 

 "Das geht voll auf die Nasenhöhlen!" 

 

 "Was fällt denn nur dem Reiher ein? 

 Der schmuggelt uns zwölf Eier rein!" 

 Zur Klapperschlang' die Ringelnatter: 

 "Du nervst mit diesem Ningel-Ratter!" 

 

 Der Vielfraß schreit: "Den Futterkasten!  
 Wir sollen wohl auf dem Kutter fasten?" 
 Man munkelt noch, daß wohl der Kaiman 
 Vor Ort und hier sein erst im Mai kann ... 
 

 Da plötzlich, so, als hätt' er Wahn, 

 Kräht los der alte Wetterhahn! 

 Die Duschen schmeißt der Dübel an, 

 An Land wird's richtig übel dann. 

 

 Die Menschen packt ein Himmelsgrausen 

 Wie im Roman von Grimmelshausen. 

 Niemand schenkte reinen Wein. 

 Sie laufen schnell zum Weinen rein. 

 

 "Mein Gott, was gräßlich Fluten, Gunter!" 
 Ruft selbst die Frau der guten Flunder. 
 "Das ist ja wohl der größte Hit!" 
 "Och nein, das ist DER HÖCHSTE,  Gritt!" 

 

 "Die Seeleut' Breiten, Längen hassen, 

 Wo's derart kachelt. Hängen lassen?? -  

 Für alle heißt's: mit Würde handeln, 

 Und über JAHWES Hürde wandeln." 

 Die Taube macht sich schon bereit 
 Auch ohne Noahs roh'n Bescheid; 
 Sich Hälmchen ins Gefieder windet, 

 Sobald das Land sie wieder findet. 
 

 

 

 

 Guter Rat 

 Odysseus ihr am Stage seht, 

 Ganz wie es in der Sage steht. 

 

 Odysseus gegen Troia zieht. 

 Er bringt dem Meergott Gaben, 

 Worauf er sich an Bord begibt, 

 Um sich am Wein zu laben. 

 

 Ein Zephyr bläst mit frischer Lust. 

 Schon steigt der Wogen Pegel. 

 Stolz schwillt ihm die Archaerbrust. 

 Er lobt das Tuch der Segel. 

 

 Poseidon teilt des Meeres Flut: 

 "Du kannst von Linnen schwärmen 

 Doch nach der Schlacht genau so gut! 

 Erst mußt du Schwimmen lernen!" 

 

 

 

 

 Junior an Gottvater 

 

 "Wo bleibt denn unser Manna, Pa?" 
 "Was weiß denn ich - in Panama! 
 Wie sagte König Saul fein?  
 Mach's einfach selbst - nicht faul sein!"  
 

 

 

 

 Sturkopf 

 

 Wein statt Met trinkt Wotan nicht, 

 Und wenn ihn auch die Not anficht. 

 Da fehlt der Honig-Faktor. 

 Fuck Thor! 

 

 

 

 Ra 

 

 Die Wikinger schippten 
 Bis rauf nach Ägypten 
 Und trafen dort Ra, 
 Den Chef aller Götter da. 

 Der klagte über sein Land: 
 "Sand, Sand, nichts als Sand! 
 Wisst ihr wat? 
 Ick hab es satt! 

 Ich sehne mich nach dem Meer! 
  [rückt näher]  
 - Wo kommt ihr denn her?" 
 Und als er erfuhr 
 Vom Nordland-Parcours, 

 Von ungeheuren 
 Abenteuern 
 In geheimnisvollen Ländern 
 An des Ozeans Rändern… 

 Da wurde Ra kiebig: 
 "Ich bin euer Gott! 
 Ihr bringt mich jetzt flott 
 In die Karibik!"
 

 

  2600 Jahre später: 

 

 In Varadero trank Ra Cola 

 Mit Schmittens Gabi und Carola;  

 

 

 

 

 Kontraproduktiv 

 

 "Die Bösen enden in Gottes Reißwolf." 

 "Ich weiß, Rolf!" 

 

 Bei Krankheit und mit leeren Kassen 

 Hat sich der Mensch bekehren lassen. 

 

 Im Glauben wohl, er fände Halt, 

 Voll Demut er die Hände falt. 

 

 Und weil nach Heil die Seele ringt, 

 Der Mensch jetzt laut Choräle singt. 

 

 Er hat schon Kirchen leer gesungen, 

 Weil ihm das Fis nicht sehr gelungen. 

 

 

 

 

 Himmlische Freuden? 

 

 Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. 

 Frohlocken wär' vielleicht verfrüht. 

 Wer weiß denn, was uns droben blüht? 

 Doch ist die Aussicht sicher labend oben. 

 

 

 

 

 

 Gefallene Engel 

 

 Die Englein haben Mauser, Leute! 

 Aus Wolken stürzt die Lauser-Meute 

 Und sammelt sich an Orten, wo ... 

 Da fehlt es mir an Worten, oh! 

 

 

 

 

 

 *** 

 

 

 

 

 Kirchen- und sonstige Feste 

 

 W e i  h n a c h t e n 

 

 Schon wieder man saisonbedingt Herrn Jesus mit "Ding-dong" besingt. 

 

 

 

 Weihnachtsstress 

 

 Muß durch grelle Gassen laufen 

 Und noch vier Geschenke kaufen: 

 Für den jüngsten Sproß ein Handy, 

 Und ein Buch, den Tristram Shandy. 

 

 Für die Tochter Gel zum Duschen, 

 Für die Gattin warme Puschen. 

 Da! ein Bücherladen! Rein! 

 Hat auch den Roman! Wie fein! 

 

 Darauf dann das Telefon 

 Für den anspruchsvollen Sohn. 

 Haste fort. Beim Überfliegen

 Ließ jedoch ich etwas liegen.

 

 Wild zum Himmel dringt mein Fluch: 

 Gottverdammt! Weg ist das Buch! 

 Schnell jetzt, zum Geschäft zurück 

 In verschärftem Joggerschritt. 

 

 Leider, ja, so kann es gehen, 

 Wurde Tristram nicht gesehen. 

 So ging mir im Handyshop 

 Der Roman von Shandy hopp. 

 

 

 

 Josef, Quartier suchend 

 (Bethlehem, 24.12.0000 gegen 16.30 Uhr; Josef abgenervt wegen ergebnisloser Suche nach einer

Pension; Des Hebräischen nicht mächtig, deshalb aufs Britannische ausweichend):  

 Josef: "Oh please, my wife will have a BOY NOW! 

 We need a place to be!" 

 Herbergsvater: "Go in there, but don't bother me!" 

 Josef (zu Maria): "Faeces! Weiß Gott kein NEUBAU!" 

 

 

 

 

 Von Esens ins Morgenland 

 (Lästerliches Weihnachtsgedicht) 

 

 Als kürzlich bei Esens ich sacht übern Deich schlich, 

 Berief mich ein Engel: "Nun hurtig, Kerl, schleich dich! 

 Auf, auf jetzt zum Christkind im Stalle von Arkenbeck, 

 Gleich neben der Linde am Gasthaus zum Barken-Eck!" 

 Ins Binnenland ich fahr nicht gern, 

 Doch ging ich hin - es war nicht fern. 

 

 Mit Engelein hab' ich beim Tingeln geklönt, 

 Die haben entzückt mit den Klingeln getönt. 

 Doch fand ich vor Ort bei der Linde kein 

 Klein' Esel-, kein Öchs- und kein Christkindelein. 

 Und dorten, wo die Linde sauste, 

 Sich nur des Hofs Gesinde lauste. 

 

 "Nicht Arkenbeck!!" hub's zu rumoren an: 

 "Ihr Engel habt's wohl mit den Ohren, Mann!" 

 "Dem Stern sollst du folgen - nimm zwei Galiläer! 

 Mit Erzengel Hadschi und Lalli geh er!" 

 Nach Bethlehem auf neuer Tour - 

 Au weia -  das wird teuer nur! 

 

 "Das ist doch, oh Petrus, verzeih' mal, nachts weit..." 

 "Ich gebe euch Frist bis zur Weihnachtszeit! 

 Besorgt noch Geschenke dem Früchtchen der Lüfte: 

 Und Weihrauch mit Duftnote Lüftchen der Früchte!" 

 Besser fand ich Rassel, Beißholz, 

 Einen Ball, daß er sich heiß bolz... 

 

 Ich wollte ja nur noch an Füßen gesunden, 

 Als Lalli den Knaben, den süßen, gefunden. 

 Maria wusch grad schmutz'ge Windelein, 

 Und ich trank mit Josef gelinde Wein. 

 Der Hadsch mußt' mit Josef  recht derbe noch kübeln, 

 Der Tochter des Wirts gar die Kerbe noch dübeln. 

 

 

 

 

 Herpes Sanctus 

 

 Ob Stallgeburt vor Scham gegraut 

 Hat's Jesulein, drum gram geschaut. 

 Und wie's so in der Krippe liegt, 

 Es gleich was an der Lippe kriegt. 

 Aus Schmutz und Kot und Krippenlehm 

 Schreit's laut nach seiner Lippencreme.   

 

 

 

 

 Das Zeichen 

 

 "Oh, sieh, Hanna! 

 Das Zeichen, das die Wacht genannt! 

 Herr Josef tanzt im Nachtgewand!" 

 

 "Hosianna!" 

 Und sahst du auch, wie bunt er war?" 

 "Der Nachtrock, ja! Ganz wunderbar!" 

 

 

 

 

 Leise schnieselt das Reh 

 Like christmas bells the rüttel chimes 

 Im Kleide dieses Schüttelreims: 

 "Du, Rolf: 

 [weist himmelwärts] 

 Rudolf! 

 Rehlein klein mit roten Nasen 

 Heiser durch die Noten rasen!" 

 

 Eine Fee schnellt  

 Über das Schneefeld; 

 Am Weihnachtsbaum das Omalein 

 Stimmt sich auf "La Paloma" ein. 

 

 

 

 

 Wunschzettel 

 

 Die Oma geht bald mit mir Weihnachts-Shopping, 

 Wir trinken beim Burger-King Cay, nachts Whopping! 

 

 Ein Schimmelchen wär' ein Geschenk des Himmels, 

 Mit Laserkanon' im Gehenk des Schimmels! 

 Und Flügeln aus Gold auf dem Helmchen des Schimmels, 

 Als wäre der Schimmel ein Schelmchen des Himmels! 

 

 Für meine Märklin einen Triebwagenschuppen, 

 Und Lichtschwerter für meine Schiebwagentruppen. 

 Denn die sollen helfen beim Truppwagen schieben, 

 Daß nicht fremde Hengste den Schubwagen trieben! 

 

 

 

 

 Knabenfragen am Heiligen Abend 

 

 Der Weihnachtsmann, es eilig habend, 

 Rüstet jetzt für Heiligabend. 

 

 "Ach, kennt der Mann kein Scherzen? Kein 

 Pardon trotz trautem Kerzenschein? 

 Ob wohl wie alte Säcke itzt 

 Er ruhig in der Ecke sitzt? 

 Vielleicht ist er ein wilder Mann? 

 Sag, treibt ihn an ein milder Wahn? 

  Und Spielzeug bringt er? Zuckerstangen? 

 Er haut mit Ofenstuckerzangen? 

 Vom Walde kommt der Weihnachtsmann? 

 Zu welcher Stund? Jo mei, nachts, wann?!" 

 

 

 

 

 

 Limerick für Toni 

 

 Es kamen zwei Engel nach Bingen, 

 Das Kyrie Eleison zu singen. 

 Und wie sie da sangen 

 Mit Stimmchen so bangen, 

 Leis Glocken begannen zu klingen. 

 

 

 

 

 

 Quasselstrippe 

 

 Unter Weihnachts-Kandelabern: 

 Die Schwägerin. Wat kann de labern! 

 

 

 

 

 Gut Schmackofatz 

 

 Zur Christgeburt wünscht sehr Hein Klasen 

 Als Festtaugsschmaus sich ein' klein' Hasen. 

 Noch vielmehr freut sich Klasen, Hein 

 Am Tage drauf aufs Hasenklein. 

 

 

 

 

 Weihnachtstip 

 

 Nach dem Schmause noch fettbärtig? 

 Dann biste noch lange nicht bettfertig! 

 

 Bäuchen, die vom Wohlsein lahmen, 

 Gibt man Pfläumchen und Leinsamen. 

 Sennestee und warme Decken 

 Die Natur im Darme wecken. 

 

 

 

 

 

 

 

 S y l v e s t e r 

 

 

 

 

 

 Sylvester 

 

 Sylvester laß uns schampen, Lale! 

 Mit Schampus aus der Lampenschale! 

 Aus Polen einen Bomm-Kracher, 

 Und obendrauf ein Krombacher. 

 

 Die Gäste fordern Ofenkäse; 

 Den muß ick schnell noch koofen, eh'se 

 Mit Tellern schmeißt, die hohe Runde. 

 Verdammt, es sind doch rohe Hunde! 

 

 Sprengt Lilo, unser Festegeier, 

 Auch dieses Mal die Gästefeier? 

 Ick wünsche, weiß der Geier, feste 

 Nur Feinden solche Feiergäste! 

 

 

 

 

 

 Qualvoller Jahreswechsel 

 

 Sylvester wird's der Brillenschlange 

 Vom Knallen, Pfeifen, Schrillen bange. 

 Der Chinaböller hallte schon, 

 Die Heulerpfeife schallte Hohn... 

 

 Sie möchte Donnerschlägen weichen 

 Und sich auf eig'nen Wegen schleichen 

 Bis in des lieben Blühjahrs frühen 

 Beginn mit Phlox und Frühjahrsblühen. 

 

 (Koch ihr doch ein Glas Kamille, 

 Mach am Schwanz mal Kille-

 Kille!) 

 

 

 

 

 

 

 *** 

 

 

 

 

 

 O s t e r n 

 

 

 

 Ostersünden 

 

 Ach, österlich Braten vom Lamm, toller Brauch, 

 Von dir bleibt todsicher ein prall voller Bauch. 

 Ich horche nach Innen 

 Mit all meinen Sinnen 

 Und hör, wie die Plautze brummt: Knurr, Boller, Fauch! 

 

 

 

 Oster-Aktivitäten 

 Heut fahren einst'ge Malle-Diven 
 Gerne auf die Mallediven 

 Am fernen Strand sich Meier aalt, 
 Der Osterhase Eier malt. 
 Der Meier'schen, ganz wonnesüchtig, 
 Sind nur das Meer und Sonne wichtig. 


 Doch Lust auf Mal-Extasen hier 
 Beflügeln unser Hasentier. 
 Verschnaufer, Pausen, nit er macht, 
 Der Has, bis weit nach Mitternacht. 


 Mischt Rot und Gelb, malt Grün auf Blau, 
 Läßt Rankwerk bunt erblühen auf Grau… 
 Bald Schokohasen Nasen recken, 
 Die Kinder auf dem Rasen necken. 


 Doch Osterhase, Eiermann, 
 Nun schau dir mal die Meier an! 
 Die machen keine Freier (oh!) 
 Und heut auch keine Eier froh. 

 

 

 

 

 

 *** 

 

 

 

 

 

 Himmelfahrt, Pfingsten 

 

 

 Maienzeit, kontrapunktisch 

 

 

 Maienzeit (1) 

 

 

 "Mir kommen jetzt die Hudelsäfte", 

 Schrieb Max in seinem Sudelhefte. 

 "Ja, hülfen nicht die Säfte hudeln, 

 Gäb's nicht nur nichts zum Hefte-Sudeln." 

 

 

 

 Maienzeit (2) 

 

 "Wenn Aufruhr durch die Massen geistert, 

 Kein Staatsanwalt die Gassen meistert. 

 

 Laßt prasseln auf den Schweinestall 

 Mit aller Macht der Steine Schwall!" 

 

 "Hörtest du grad, wie der Stein pfoff? 

 Das war Materie, und kein Feinstoff!" 

 

 

 

 Maienzeit (3) 

 

 Sobald die Sonne Lust gebracht, 

 Der Tag aus voller Brust gelacht, 

 Ach, welch ein Anlaß, froh zu sein 

 Und sich der Schöpfung so zu freuen! 

 Dann mußt du mir verzeihen, Maid, 

 Denn SIE ist da, die Maienzeit...

 

 Wenn dann sich sacht die Linde wiegt, 

 Der Flieder warm im Winde liegt, 

 Zur Mittagsstund ein lichter Duft 

 Uns lau umfängt mit Dichterluft,  

 Dann mußt du mir verzeihen, Maid, 

 Denn SIE ist da, die Maienzeit... 

 

 Wenn Wölkchen hin mit Schweigen gingen, 

 Die Lerche tönt wie Geigenschwingen, 

 Im Abendglanz leis Lieder weben 

 Und Feen und Geister wieder leben, 

 Dann mußt du mir verzeihen, Maid, 

 Denn SIE ist da, die Maienzeit... 

 

 Im Silbermond wir gerne stehen, 

 Wenn über uns die Sterne gehen, 

 Und wenn sich auf zur Neuen macht 

 Die so vertraute Maiennacht, 

 Dann mußt du mir verzeihen, Maid, 

 Dann lieb ich DICH zur  Maienzeit. 

 

 

 

 Maienzeit (4) 

 

 Des Filmrisses als Fimmel harrt 

 Der Mann voll Lust an Himmelfahrt: 

 So trank er auf dem Leiterwagen 

 Nach einer Lage - weiter Lagen. 

 

 "Wenn ich noch eine Lage tank, 

 Dann geht's mir schlecht noch tagelang! 

 Heh Kutscher! Keine Lagen mehr! 

 Sonst kotz ich mir den Magen leer!" 

 

 

 

 Maienzeit (5) 

 

  Kreisanzeiger-Inserat 

 

 So las man es in Weimar, 

 Als wieder einmal Mai war: 

 

 Heut bei akkordmäß'gen Rahmenbedingungen 

 Im Standesamt Herren- und Damenberingungen! 

 

 

 

 

 *** 

 

 

 © Peter Möck, Berlin 

 

 

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