Mensch und Gesellschaft

 

 Leben   und   leben   lassen 

 

 Über Dichtung, Dichter und Denker 

 


 

 

 

 

 

 Geburtstagsgruß 

 

 Mit 80 Lenzen auf dem Puckel biste, 

 Passant des Lebens krummer Buckelpiste, 

 Hier angelangt und hast dich hingesetzt. 

 Hast schon zu lang nach Lebens Sinn gehetzt. 

 Willkommen wollen wir dich im Bunde heißen. 

 Jedoch gib acht: Des Hades Hunde beißen! 

 

 

 

 

 Geborgt wird nicht! 

 

 "Noblesse bei Babs vermißt ihr, Otto? 

 Ja, Geiz ist geil ist ihr Motto! 

 Noch nicht mal einem Stammkunden 

 Würd Babse einen Kamm stunden!" 

 

 

 

 

 An der Tankstelle 

 

  Da krieg ich ja Schweißpranken, 

 Seh ich den Preis schwanken! 

 

 

 

 

 Klimawandel 

 

 Der Bär, der grad im Eise schiß, 

 Beklagt, was wirklich Scheiße iss: 

 

 Das Eis hätt öfter (all zu oft sei's) 

 Die Konsistenz fast wie von Soft-Eis. 

 

 

 

 

 Umweltsau 

 

 "Ja, bist du denn von Sinnen, eh??? 

 Das Altöl niemals innen See!!" 

 

 

 

 

 Besser solar 

 

 Ein Ofen schnell beim Heizen rußt. 

 Das kann die Bronchien reizen. Hust! - 

 Weshalb ich ohne Ruß denn heiz. 

 Ich hasse diesen Hustenreiz! 

 

 

 

 

 Monats-Weise 

 

 Im Duden steht für "anno" Jahr - 

 Gottlob nicht nur im Januar. 

 

 Wie gern ich an den Ebro fahr! 

 (Im Sommer, nicht im Februar). 

 

  Ach, komm zu mir im Märze, Hein, 

 Beglück das schwache Herze mein! 

 

 Er hat uns im April verlassen; 

 Sein Erbe wir in Lille verprassen. 

 

 Die Liebste soll jetzt seien mein - 

 Und das kann nur im Maien sein. 

 

 Wir feiern wohl im Junio 

 Das Gartenfest der Uni, Joe. 

 

 Zum Baden dann, im Juli, ah, 

 Nach Usedom mit Ulli, ja! 

 

 Wem Maiensonne Lust vergibt, 

 Der ist noch im August verliebt. 

 

 Von Amor im September faselt, 

 Wer solches hat im Mai verbaselt. 

 

  Wohin ich im Oktober eil? 

 Ich kauf ein warmes Oberteil, 

 

 'S wird nämlich im November kalt 

 Vom Grune- bis zum Kemper Wald. 

 

 Ich bleib auch im Dezember fit, 

 Sofern ich's Schlemmen mir verbitt. 

 

 

 

 

 Hunger im Morgengrauen 

 

 Gelungen war das Ritterfest, 

 Noch immer schwooft ein fitter Rest. 

 Am Brötchenstand kein Fummelrest, 

 Kein Krümel mehr vom Rummelfest, 

 Weshalb ich bei den Buden lall: 

 "Ich pfeif auf diesen Ludenball!" 

 

 

 

 

 Glotzdisziplin 

 

 "Gleich nach dem Tierfilm Nagerschlacht 

 Sehen wir daheim die Schlagernacht. 

 Nun ja, in dieser Zimmerflucht 

 Herrscht allerstrengste Flimmerzucht! 

 

 

 

 

 Kinofilme 

 

 Wer sieht schon gerne Zenzi freien? 

 Eh ich mich vor solchen Kitsch hock, 

 Da seh ich doch lieber den Hitchcock. 

 Es darf sehr gerne Frenzy sein. 

 

 

 

 

 Plastik Radio 

 

 Musik zum Entspannen; 

 Spusik zum Entmannen! 

 

 Man hört ihn in den Gassen meist, 

 Den hier gepflegten Massengeist. 

 So war man auch in Meissen Gast 

 Zum Fest lokaler Geißenmast. 

 

 

 

 

 Telekom 

 

 Ich spring gleich in den Sarg, Schnecke! 

 Was sind das nur für Schnarchsäcke! 

 

 Ein Wesen schleicht da draußen rum; 

 Der Hund ist schon heraußen drum. 

 Im Fall, es sei die Telekom, 

 Dann pack es an der Kehle, Tom! 

 Ansonsten sei mir wacher Bürge, 

 Daß man es kalt am Bach erwürge! 

 

 

 

 

 Behördengang 

 

 "Du willst zu diesen Säcken gehn? 

 Wirst nur den eitlen Gecken sehn. 

 Egal, wer's sei, und sei's der Wicht, 

 Er braucht 'ne neue Weis' der Sicht! 

 

 Falls der nicht deine Sicht gewinnt, 

 Ist übel dieser Wicht gesinnt. 

 Sollt' alles aus dem Ruder laufen, 

 Dann mußt du mit dem Luder raufen!" 

 

 ***---*** 

 

 "Kann jemand diesen Proll hier zügeln? 

 Der will sich mit dem Zoll hier prügeln! 

 Jetzt greift er einen Klinkerstein, 

 Und schreit: "Ich mach den Stinker klein!" 

 

 

 

 

 Unifete 

 

 Wir feiern jetzt im Junio 

 Das Gartenfest der Uni, Joe! 

 In saft'ge Würstchen beißen wir 

 Und laben uns am weißen Bier. 

 

 Der Prof muß mal kein Mathe lehren, 

 Darf Lust mit Kaffee Latte mehren. 

 Er zeigt sich heut recht wandelbar, 

 Bei Gabi gleich am Bandel war. 

 

 Die meisten sind der Grete feind, 

 Weil die auf jeder Fete greint. 

 "Ach, jetzt gib bloß der Trulla keenen 

 Korb, sonst weint sie Kullertränen!" 

 

 Da fordert sie das geile Hänschen 

 Und spielt mit ihr das "Heile-Gänschen". 

 Der Unterschied: ein himmelweiter! 

 Sie stürzt sich ins Gewimmel heiter. 

 

 

 

 

 Discounter 

 

 Nicht nur das böse Opium - 

 Auch Obi bringt den Opi um. 

 Beim Netto mit dem Schwarzen Hund 

 Mir schnell die Lust aufs Harzen schwund. 

 

 Bei LIDL kauft man Rustigetten, 

 Nur Schnaps kann Tante Gusti retten. 

 Denn Cognac, als des Weines Vetter, 

 Macht ihr im Kopfe feines Wetter. 

 

 

 

 

 "Rotarsch"* 

 

 "Du hast am Po was Wundes, Bär!" 

 "Ich diene bei der Bundeswehr. 

 Das schadet, ach, der Minne sehr - 

 Hab dafür kaum noch Sinne mehr!" 

 

* BW-Jargon für Rekrut 

 

 

 

 

 Gaffer 

 

 "Zu Gaffen find ich affengeil! –  

 Wie gerne ich zum Gaffen eil." 

 Nun seht nur, wie die geilen Affen 

 Das Handy zücken, eilen, gaffen! 

 

 Wenn Andern diese Affen geben 

 Den Anlaß selbst zum Gaffen eben... 

 Ich hör sie schon: "Sollt's Gaffen lassen! 

 So öffnet doch, ihr Laffen, Gassen!" 

 

 

 

 

 Clärchens Ballhaus, Berlin 

 

 "Im Ballsaal, wo die Singles rocken, 

 Da trägt man Jeans und Ringelsocken. 

 

 Der DJ spielt ’nen ganzen Teil 

 Des Abends Salsa. Tanzen geil!" 

 

 - Vergnügen, das wir teilen ganz. 

 Wir lieben diesen geilen Tanz! 

 

 

 

 Vorschlag zur Rentensicherung 

 

 Daß innen drin der Samen docke, 

 Man tausche Fromms mit Damensocke. 

 

 

 

 

 Im Buchladen 

 

 "Kunde fragt nach Wanderkarten?" 
 "Zum Gebiet um Warthe-Kandern 
 Will er nach der Karte wandern." 
 "Ach, na ja, dann kann der warten." 

 

 

 

 

 Befremdlich 

 

 Der Urs sagt aus, er läge nie 

 In einem Bett aus Daunen; 

 Bevorzugt Brett mit Nägeli, 

 Da gäb es nichts zu staunen! 

 

 

 

 

 

 

 Leben und leben lassen 

 

 

 

 

 Götterfunken 

 

 Die Kunst sozialen Webens lehrt: 

 Ein Freund macht's Leben lebenswert! 

 Und wenn du's zu vergelten weißt, 

 Umweht euch zwei der Weltengeist. 

 

 

 

 

 Sinnfindung 

 

 Suchen nach dem Sinn des Lebens 

 Schnell's Gemüt vergiftet. 

 Der jedoch hat viel Gewinn, 

 Der ihn selbst sich stiftet. 

 

 

 

 

 Optimist und Pessimist  

 

 Was Hannes jeden Morgen sann: 

 "Ach, mach dir keine Sorgen, Mann!" 

 

 "Nun, wären deine Sorgen mein, 

 Wie glücklich könnt' ich morgen sein!" 

 

 

 

 

 Guru und Schüler 

 

 Der Guru auf der Mattenseide: 

 "Enthalte dich, den Satten meide!" 

 

 "Ich bin nicht geistig seidenmatt! 

 Glaubst du, man wird vom Meiden satt?!" 

 

 

 

 

 Inkonsequenz 

 

 Erst einen Brand legen, 

 Dann hoffen auf Landregen. 

 

 Nutz lieber im Gelände Brägen, 

 Und verzicht' aufs Brände legen. 

 

 

 

 

 Wein, Weib, Gesang... 

 

 Sie riet mir unter Mandelweiden: 

 "Sollst diesen Lebenswandel meiden! 

 Bewirke durch dein Meiden Wandel! 

 Nun schwör's bei dieser Weidenmandel!" 

 Ich rief darauf nur: "Wandel, Maid, 

 Wenn's geht, mit dieser Mandel weit!" 

 

 

 

 

 Unklug ist's, 

 

 Kopfs Inhalt für die Welt zu halten 

 Und damit wie ein Held zu walten. 

 Auch tat sich in den Staaten dicke 

 Der Max mit seinem Datensticke, 

 Und geht zu keiner Feier ohn' 

 Das allerneuste Eier-Phon. 

 Er glaubt, er wohnt im Eulenhaus 

 Und sieht dabei zum Heulen aus. 

 

 

 

 

 

 Dichtung, Dichter und Denker 

 

 

 

 

 Dichtkunst 

 

 Für Manchen ist ein guter Reimling, 

 Was für die Raupe ist der Leimring. 

 Auch wenn man's kaum verknusen mecht: 

 Er hält dich fest, der Musenknecht! 

 

 

 

 

 Dichterfürsten 

 

 Zu jedem Anlaß der Geheimrat 

 Jottweh von Goethe einen Reim hat. 

 Auf allen Glücks entleerter Weiden 

 Läßt dieser seinen Werther leiden. 

 

 Fontane hat die Mark erkundet. 

 Ihr Wein, obwohl's da karg, er mundet. 

 Tieck trank cum grano salis Wein, 

 Sollt' fern sein Band Novalis sein. 

 

 Prägnanzen, die bei Büchner leben, 

 Sie lassen manchen Lügner beben. 

 Hach! Schrieb er euch Gedichte, Fürsten, 

 Was würdet ihr nach Fichte dürsten! 

 

 Fritz Schiller, als ihr Medicus, 

 Recht oft zu Kleistens Käthi muß. 

 Er schwor: "Ich schwärm fürs Kindermädchen, 

 Doch lieb ich dich nicht minder, Käthchen!" 

 

 

 

 

 Franz V. 

 

 Mit Herz und wahrer Dichterliebe 

 Beschrieb Villon recht dreiste Geister: 

 Clochard, Bandit, Gelichter, Diebe - 

 Und war doch selbst im Geiste dreister. 

 

 

 

 

 Heine 

 

 "Jeder ist ein Schweinehund, 

 dem die Lust an Heine schwund" 

 (Erich Mühsam) 

 

 "Ich rate Euch das Eine hier: 

 Vergeßt mir nicht den Heine, ihr! 

 Wir sollen hoch in Ehren halten 

 Das Erbe dieses hehren Alten." 

 

 

 

 Kantige Kost 

 

 Ich denke, wenn ich lese Kant 

 In diesem schrägen Käseland 

 An stinkealten Landkäse - 

 Doch einzig, wenn ich Kant lese! 

 

 

 

 

 Autorentraum Preisverleihung 

 

 "... Wie ich mich mit Max Frisch 

 Unter die übrigen Fracks misch ..." 

 

 

 

 

 Zauberwort 

 

 Schläft ein Lied in allen Dingen. 

 Allerwertester, heb an zu singen! 

 

 

 

 

 Der abgeschlossene Roman 

 

 "Nie sollst du um sie buhlen, Schurk!" 

 Rief Enzo von der Schulenburg. 

 "Und seh ich dich in Najera*, 

 Ich schwör's, dann ist die Rache nah." 

 

 Ortschaft in La Rioja, 

 sprich: Nache-ra 

 

 

 

 

 Dichterischer Notstand 

 

 Zu meinem Tischler-Hymnus "Leim rein" 

  Tja, finde ich partout kein Reimlein, 

 Und falls sich nichts auf 'Hosen' reim, 

 Marie, gehts heim nach Rosenheim. 

 Schau, auch die Millers reisen home 

 Aus diesem schrecklich heißen Rom." 

 

 

 

 

 Supereilig 

 

 "Wir nehmen heut den Maserati," 

 Sprach Puntila. "Nun rase, Matti!" 

 

 

 

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