Neues von der Wasserkante

 Am Ende dieser Seite: Stintgeschichten 

 Foto: die Elbe bei Blankenese. 


 

 

 

 

 

 

 

 Nachts um halb eins 

 

 Wir gehören zusammen 

 Wie der Stint und der Bär... 

 

 Nicht übel staunte B. Peer Rahn. 

 Das gibt's nur auf der Reeperbahn: 

 

 "Besorg sofort zwei Ringlein klein, 

 Sonst stoß' ich dir das Klinglein rein!" 

 

 

 

 Jo-ho-ho, keene Buddel voll Rum! 

 

 Den Segler nannte er "Seeteufel", 

 Er selber war eher ein Teesäufel. 

 Denn  wenn ich nach dem Teufel seh, 

 Fast immer trinkt der Säufel Tee.

 Und während ich die nasse Trosse 

 Wohl in des Sturmes Tosen hasche, 

 Läßt unser Skipper hoch zu Rosse 

 Die Hände in der Hosentasche. 

 Der Bootsmann war beim Lenzen groß. 

 Sein Einsatz war schier grenzenlos! 

 

 

 

 Madagaskar 

 

 Drunt’ in Südost mußt’ 

 Das Schiff mit der 

 Pest rosten. 

 Das Trinkwasser siff, 

 Die Mannschaft 

 Aß faule Restposten. 

 

 

 

 

 Ladekabel futsch 

 

 Der Bruder des Kain, Abel, 

 Vermißte jüngst ein Kabel: 

 

 "Kain, stecktest du mein Kabel ein?" 

 "Nein, leider hab ich, Abel, kein." 

 

 Man findest's bei drei Kabeljauen, 

 Die's Kabel mit 'ner Jabel kauen. 

 

 

 

 

 Hatsuko 

 "Zu segeln heut die Weiten sind 

 Recht angenehm bei Seitenwind. 

 Wir wollen Wale fangen!" 

 Sah Moby Dick, und weinerlich

 Vom Segler ganz allein er wich 

 Und hatte fahle Wangen. 

 

 

 

 An der Elbe 

 "Wozu sind all die Stacken nütze? 

 Sie sind des Flußbetts Nackenstütze." 

 

 

 

 

 Wale unter sich 

 

 Dat Frollein Amt nöölt dauernd: "Bitte warten!" 

 Ick segg di nur: dor kriegst du witte Barten! 

 

 

 

 

 Hafenkrankenhaus 

 

 Ins Koma sich der Stauer soff! 

 Man gab ihm schließlich Sauerstoff. 

 

 

 

 

 Schandfleck 

 

 (Aus "Schüttelbier") 

 

 Gallionsfigur? Ein Stevengreiner! 

 Darauf schnell ein Grevensteiner. 

 

 

 

 

 Am Fluß 

 

 Abend an der Elbe 

 

 Wenn der Tag zur Neige geht 

 Am Elbestand, im Flachen, 

 Ab und an ihr Feen seht, 

 Die glucksen, kichern, lachen. 

 

 Hier ist Hafenlärm ganz weit, 

 Hier schweigen böse Worte, 

 Neid und Hass, und Zank und Streit 

 Am zauberhaften  Orte. 

 

 Dampfer schneiden Wellen an 

 Wie eine Sahnetorte. 

 Möven ziehen ihre Bahn, 

 Den Schiffen als Eskorte. 

 

 

 

 

 Turbulenzen 

 

 Horch, verhaltnes Zirpen da! 

 Die Krabbenband vertäute! 

 Fiedel und Schalmei, oh ja! 

 Mit Ruh ist Schluß für heute. 

 

 Schon beginnt die Flunder auf 

 Der Floss' am Schwanz zu steppen. 

 Lustig ist sie heute drauf. 

 Bemüht sich gar zu rappen! 

 

 Elbe-Schwof vor Stade gäbs,  

 So schallts jetzt allerorten. 

 Auch der junge Taschenkrebs 

 Ergibt sich diesen Worten. 

 

 Trommelstöcke zieht er raus 

 Aus seinen Einkaufstaschen. 

 Gleich erhebt sich ein Gebraus 

 Von Wirbeln, weichen, raschen. 

 

 Singend kommen, Leib an Leib, 

 Die Elbe-Feen geschwommen. 

 Unten Fisch und oben Weib, 

 Manch Atem geht benommen. 

 

 Fassen sich jetzt Seit an Seit. 

 Der Krebs sacht Tempo schiebt. 

 Wiegen sanft sich, haben Zeit. 

 Der Krebs: spontan verliebt. 

 

 Stieben bald mit Lust dahin, 

  Zu jedermanns Erbauen. 

 Manchem weckt der Tanz den Sinn 

 Für Körper schöner Frauen. 

 

 Schneller abermals, der Takt! 

 Konturen jetzt beginnen, 

 So er ihre Leiber packt, 

 Im Taumel zu verschwimmen. 

 

 Dröhnen jetzt, das Herz schlägt  laut! 

 Die Elbe kommt ins Sieden! 

 Jedem in der Runde graut: 

 Wer wird den Fluß befrieden? 

 

 Eine wilde Mannsgestalt 

 Führt jetzt die Teufelsritte. 

 Stulpenschuh, Gesicht uralt, 

 Er springt in ihre Mitte! 

 

 Seht nur - der Klabautermann!  

 Er wirbelt Feen im Kreise. 

 Sucht sich nur die schönsten aus, 

 Nach alter Seemannsweise. 

 

 Faßt gleich Zwei bei ihrem Schwanz. 

 Mit ihm die Feenschar - 

 Das ist Raserei, kein Tanz! - 

 Hintobt mit Schupp und Haar. 

 

 

 

 Schluß und aus 

 

 Schnelle, wie der Spuk begann, 

 Die Turmuhr geht auf Viere, 

 Naht nun bald der Schluß heran. 

 Man trinkt die letzten Biere. 

 

 Barschmama die Flosse drückt. 

 Ein Seepferd bietet Heimritt. 

 Bärschin, überaus entzückt, 

 Der Barsch schon zügig dreinschritt. 

 

 Elbe-Feen schließen nun 

 Beseligt ihre Lider. 

 Sinken, möchten nur noch ruhn, 

 Gleich auf die Stacken nieder. 

 

 

 

 

 S t i n t g e s c h i c h t e n 

 

 

 Nikolaiken 

 Im Winde leis die Linde saust, 

 Am Spind sich das Gesinde laust. 

 Das Vieh schon in die Wiesen beißt, 

 Die Magd noch schnell die Biesen weißt. 

 

 Dann brät sie eine Eierpfann', 

 Denn heut steht eine Feier an: 

 Der Stinthengst* soll des Blühjahrs frühen 

 Start begehen im Frühjahrsblühen. 

 

 Verheißt den Fischern ohne Zahl 

 Die Plötzen dieser Zone, Aaal, 

 Mitten im grünen Binnenland. 

 So steht es in dem linnen Band. 

 

 Der Stint, in frischem Lacke, ei 

 Soll sich erfreuen an Akelei! 

 Ihm Kränzchen wollen wir wacker in den 

 Wiesen, auf dem Acker winden! 

 

 Das war von allen lieb gedacht, 

 Doch heimlich hat ein Dieb gelacht. 

 Und als die Wasser schlapp geebbt, 

 hat er den Stinthengst abgeschleppt! 

 

 Nun ist er auf der Reise, Leute! 

 Ob es den Dieb schon leise reute? 

 Verdankt man's Jungen? Späten Greisen? 

 Wir müssen jetzt wohl Gräten speisen! 

 

 Gleichwohl, man soll vom Weine trinken, 

 Dem Stinthengst hinterdreine winken! 

 Und kommen hier die Diebe lang, 

 Dann spüren sie unserer Liebe Dank! 

 

 Doch wie's in einem Märchen heißt, 

 Krümmt man dem Stint kein Härchen meist. 

 Und falls ihn jemand retten kann, 

 Bekommt er stärk're Ketten ran. 

 

 * Wahrzeichen der Stadt Nikolaiken (heute Miko³ajki) in Masuren: 

 Bekrönter hölzerner Fisch, Patron der Fischer, vor einer Brücke 

 verankert, Figur Geschenk der Stadt Remscheid. 

 

 

 

 

 Der Zauberstint 

 

 Ein Stint aus Kappeln an der Schlei 
 Versteht sich auf die Zauberei. 

 Wenn er es wünscht, dann bläst der Wind, 
 Selbst wenn da keine Wolken sind. 

 Und ab und an 
 Gibt’s auch Orkan. 

 Doch wenn der Stint will, 
 Dann ist es windstill. 

 

 

 Liebesstress 

 Ein Stint aus Kappeln an der Schlei 
 Liebt’ selbstaufopfernd einen Hai. 
 Zusammen schwammen sie hinaus 

 Bei Flaute und bei Sturmgebraus, 
 Und tummelten sich liebestoll. 
 Nicht Weins, doch Ostseewassers voll. 

 Das ging von Februar bis Mai, 
 Doch dann erkrankte unser Hai. 
 Der Kreislauf flau, ein Kiemen preßt... 

 Trotz allen Glücks: die Liebe streßt! 
 Wieso nun grad der Hai erschlafft, 
 Das bleibt wohl allen schleierhaft. 

 

 

 Hochzeit an der Schlei 

 Im Juli traut ein Kabeljau 
 Das Hai-Stint-Paar als Mann und Frau, 

 

 Und hielt vor Westerstede 
 Eine zu Herzen gehende Rede, 

 

 Bis ihm die freche Quappe 

 Gebot: „jetzt halte mal die Klappe!“ 

 

 Die Heringe und Flundern, 

 Die mussten sich sehr wundern; 

 

 Die Schollen waren platt 

 Bis rauf ins hohe Kattegatt. 

 

 Verstimmt schwammen darauf allesamt 

 Bis rauf aufs Kappelner Kirchenamt - 

 

 Denn dieses schreibt den Trauschein. 

 Da sprach der Hecht, das Rauhbein 

 

 Mit äußerst ungalanten 
 Worten zu den Beamten: 

 

 Hört her, ihr Tempelstinte! 
 Befehl vom Wal! 
 Ihr nehmt diesmal 
 Die wasserfeste Stempeltinte! 

 

 

 

 Flitterwochen am Toten Meer 

 Zum Flittern fuhren Hai und Stint 
 Ans tote Meer. Ganz leicht verstimmt 

 (Es war nach mühevollen Wochen) 

 Hat da zum Stint der Hai gesprochen: 

 "Ich habe fürs erste die Balz satt 

 Und freue mich jetzt auf ein Salzbad!" 
 

 

 

 Ehealltag und Schluß 

 Seit Hai und Stint wurden ein Paar,  

 Verging nunmehr ein knappes Jahr. 

 Da kommt den Hai die Unlust an, 

 Weil er sich nicht entfalten kann. 

 Er wischt und putzt das Reihenhaus,  

 Schwimmt kaum noch mit den Haien raus... 

 

 Selbst Zärtlichkeiten  nicht mehr sind,  

 Was sie mal waren. Hai zum Stint: 

 "Mir hängt ja dein Gekrauel, Maus, 

 Seit Monaten zum Maul raus!" 

 Betrübt sprach da der Stint zum Hai: 

 "Bin ich dir etwa einerlei? 

 

 Bestimmt tut uns Vergnügen gut." 

 Und schon packt ihn der Übermut: 

 "Wir wollen sogleich zum Land streben  

 Und stürzen uns dort ins Strandleben!" 

 Und wenn sie dran gestorben sind, 

 Sind sie beim großen Sorbenstint 

 

 

 

 

 © Peter Möck, Berlin 

 

 

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