Wohl bekomms! 

 

 Ganz unten: Wein und Wahrheit 

 

 

 

 Genießer 

 

 Genießer war Wolfgang aus Soest. 

 Schon immer hat eins ihn erboest: 

 Das Ketschup bei Tische 

 Zum edelsten Fische... 

 Drauf läßt er den grimmigsten Toest. 

 

 

 

 Weihnachtsmahl 

 

 Bei Hunger ist es angemessen, 

  Zu sich zu sagen: "Mann, geh essen!" 

 Doch was wir in den Kragen mampfen, 

 Läßt allzu leicht den Magen krampfen. 

 Und weil wir eine Menge aßen, 

 Die Hemden bald zu enge maßen.  

 

 

 

 Ohne Titel 

 Läßt du wohl das Zappen, Ella, 

 Für Moselwein und Appenzeller? 

 Für Beaujolais und Gorgonzola?! 

 ***  

 Kannste denn nicht Chips besorgen? Cola? 

 

 

 

 Petri Heil! 

 Nach Angelhaken-Schleiferei 

 Fing Max im Teich 'ne reife Schlei. 

 Marie kocht wie Forelle sie 

 In Essig blau, mit Sellerie. 

 Nur darauf hat ihr Mann geacht': 

 Daß sie mit Butter angemacht. 

 

 

 

 Mittelmeerdiät 

 In Spanien aß Jens Petermann 

 Fast jeden Tag ein Meterpan 

 Zu Tapas aus Gemüsen, Fischen, 

 Die sich zu Pulpofüßen mischen... 

 

 Dann Schinken vom Ibero-Schwein, 

 Oh je, Guarnatsch  macht schwer oh Bein... 

 Auch Knoblauch und Tomaten, Salz, 

 Dann Saft von Gerstensaaten, Malz, 

 

 Und Salchichón, Chorizo fein 

 (Am liebsten steckst de Fiess oh rein)... 

 Am Ende dieser Wonnentage 

 Benötigt Jens 'ne Tonnen-Waage. 

 

 

 

 

 Gewürzbord leer 

 

 Wachholder, Piment gern zum Reh Ali tät; 

 Doch dem steht entgegen die Realität. 

 "Kommt erstmal zum Tee", Ali rät. 

 

 

 

  Röstaromen 

 Nun kühl nicht deinen Hass, Gerd, 

  Am Gasherd! 

 

 Es tut sich mit Gerüchen kund, 

 Und Qualm erfüllt das Küchenrund. 

 Ach, taugt der teure Spitzenreis 

 Dem Maurer noch als Ritzenspeis? 

 Die Lendchen lange waren gut, 

 Und jetzt kann nur noch garen Wut. 

 

 

 

 Nachkriegszeit 

 

 Es gab damals in den Trizonen 

 Nach Ende des Kriegs wenig Bohnen. 

 Die Blauen hatte man satt, 

 Man aß jetzt Rüben anstatt, 

 Und träumte von Speck und Zitronen. 

 

 

 

 Gespenstisch 

 

 Wer vor einem Alptraum flieht, 
 Trinke einen Gildemeister. 
 Dieser stimmt die Geister milde, 

 Sagt man in der Meistergilde. 

 Wenn er dann Gespenster sieht,  
 Sind es meistens milde Geister.  

 

 

 

 

 Angepflaumt 

 

 Marec 
 Lallt keck 
 Maruschka 
 Lallt kecker: 
 Der Slivović 
 Schmeckt 
 Nur kalt lecker! 

 

 

 

 

 Dick und rund 

 

 "Ich eß' jetzt so viele Kǿttbullar, 

 Bis daß ich aus dem Bǿtt kullar!" 

 

 Nach ungefähr vierzehn Bouletten 

 Schon mußten wir den Lou betten. 

 

 

 

 Lyzeum beim Chinamann 

 

 "Stopp, chicks! 
 Laßt Messer und Gabel! 
 Führt das Essen zum Schnabel 
 Mit Chop-Sticks!" 

 

 

 

 Barbarisch! 

 

 Beim Chinamann freut's keine Kunden -- die heulen! -- 

 Serviert man von kreuzbraven Hunden die Keulen. 

 

 

 

 Versuchung 

 Oder: Der Fummelrest vom Rummelfest 

 

 "Die Schlacht ist aus, still ruht der Tisch, 

 Verwaiset sind Teller und Platten, 

 Die hoch im Gewoge des Festes viel Fisch 

 Und Braten geboten auch hatten. 

 

 Ein letzter Brocken grinst mich an. 

 Man nötigt mich, ihn zu verspeisen. 

 Rot Scham und Verlocken, sie fechten mich an. 

 Mein Innerstes droht zu zerreißen! 

 

 Mal flüstert was von "Hochgenuß", 

 Mal: "Gib dich nicht etwa geschlagen!" 

 Doch eh man mich endlich noch schlagen muß: 

 Dich eß ich verdammt jetzt als Magenschluß." 

 

 

 

 

 Eule und Nachtigall   

 

 Für der Gäste Entzücken 

 Sorgt vom Jungschwein der Rücken - 

 Mit Kruste, und sorgsam entbeint. 

 Was manch Einem heiter erscheint, 

 Ist für andere grausam. 

 Im Beispiel ist uns die Sau gram. 

 

 

 

 

 Quakers Cruesli 

 Volksweisheit: Wer nie sein Brot im Bette aß, 

 weiß nicht, wie Krümel pieken. 

 

 Am Morgen eß' ich Stuten gern. 

 Dann hat der Tag 'nen guten Stern. 

 Denn wenn im Bett ich Cruesli mümmel, 

 Pieken ohne Frage 

 Mich mindestens drei Tage 

 Darauf die Müslikrümel. 

 

 

 

 

 Zahntechniker, Hobbykoch 

 

 Ein Mensch, der alltags Kronen baut, 

 Brutzelt am Wochenende, 

 Weil ihm vor schlechtem Essen graut, 

 Lamm, Schweinekamm und -lende 

 Mit Thymian und Bohnenkraut. 

 

 

 

 

 Fleischfresser 

 

 "Kommt der Hermann heim vom Tiefbau, 

 Wird's früh Zeit, daß ich das Beef tau'. 

 

 Kartoffeln sind, und Reis, nicht wichtig. 

 Gemüse? Ach, ich weiß nicht richtig..." 

 

 

 

 

 Vorfreude 

 

  "Ließ Oma die Grieben durch  Schmoren aus, 

 Wie duftete damals das ganze Haus, 

 Wenn sie Äpfel reinmischte, 

 Wie's dampfte und zischte! 

 Welch Speichelfluß fördernder Ohrenschmaus!" 

 

 

 

 

 Winterfrühstück 

 

 Weist vom Dachfirst mancher Zapfen 

 Wie ein Daumen stur nach unten, 

 Sehn ich mich nach warmen Krapfen. 

 Daran könnte ich gesunden. 

 

 Auch ein Müsli schmeckt mir fein, 

 Wenn im Park die Flocken rocken. 

 Früchte rühr' ich mit hinein, 

 Und viel Roggenflocken. 

 

 

 

 

 Spezereien 

 

 Marzipan und Schokolade 

 Brauchst du für den Baumkuchen! 

 Dazu Eier und Sukkade; 

 Doch nie Birken und kaum Buchen. 

 

 

 

 

 Sylvester 

 

 Sylvester laß uns schampen, Lale! 

 Mit Schampus aus der Lampenschale! 

 Aus Polen einen Bomm-Kracher, 

 Und obendrauf ein Krombacher. 

 

 Die Gäste fordern Ofenkäse; 

 Den muß ick schnell noch koofen, eh'se 

 Mit Tellern schmeißt, die hohe Runde. 

 Verdammt, es sind doch rohe Hunde! 

 

 Sprengt Lilo, unser Festegeier, 

 Auch dieses Mal die Gästefeier? 

 Ick wünsche, weiß der Geier, feste 

 Nur Feinden solche Feiergäste! 

 

 

 

 

 Hausschlachtung 

 

 Ist das Schwein erstmal geschlachtet, 

 Wird's zum Wassertrog verfrachtet, 

 Schrubbt man es und brüht die Wutz, 

 Nimmt ihr jeden Schweineschmutz. 

 Denn: wird aus dem Steiße Schinken, 

 Soll der nicht nach Unrat stinken. 

 

 Am Ende hat man's eingeschweißt, 

 Fein zerlegt, dann's Schwein geeist. 

 

 

 

 

 Besuch 

 

 "Am Samstag kommen die Basen her. 

 Was kochen wir, mein Hasenbär?" 

 "Nicht wieder Eis mit Spiegelei, 

 Weil ich dann wie ein Igel spei!" 

 

 

 

 

 Nach der Diät 

 

 Diätbrei: als Happen ein Krummer. 

 Schafft Steaks ran, und Krabben, ein' Hummer! 

 Mein armer mißhandelter Leerbauch 

 Will Pasta mit Pesto von Bärlauch! 

 Tragt Platten mit Speck auf, mit Käsen - 

 Die Rechnung geht keck mit auf Spesen. 

 

 

 

 

 

 

 

 W e i n  u n d  W a h r h e i t . . . 

 

 Jedem seinen Leibwein - Ob Männlein, ob Weiblein! 

 

 

 Badischer Wein 

 

 Von Sonne verwöhnt 

 In Wonne versöhnt. 

 

 

 

 

 Wehrhafte Vorliebe 

 

 Ein Ehepaar lebt an der Osel, 

 Vernarrt in den Wein von der Mosel. 

 Und wehe, ein Fiesling 

 Vermiest ihm den Riesling - 

 Dann kriegt er's zu tun mit Frau Rosl! 

 

 Den Krückstock schwang Frau Rosl: "Miesling, 

 Vermies uns nicht den Moselriesling!" 

 

 

 

 

 Höchste Anerkennung 

 

 Der Anblick eines Faß Weines 

 Ist doch was Feines! 

 

 "Der Wein, der schmeckt ja fein, was?!" 

 "Ganz frisch, ja, aus dem Weinfaß." 

 "Ihn aus der Kelter saufen?" 

 "Dann lieber Selter kaufen." 

 

 

 

 

 Spezielle Vorliebe 

 

 Krimsekt und Champagnerwein 

 Machen uns'rem Wanja Pein. 

 Er liebt nur eins: im Weine baden! 

 

 Gut für Brust, die Beine, Waden, 

 Und es schont die Leberwerte - 

 Wie Professor Weber lehrte. 

 

 

 

 

 Hochzeitswunsch 

 

 "Nur Vorsicht mit dem Frankenwein! 

 Wir möchten ohne Wanken freien! 

 Nur Sprudel ich dir weihe, Frank. 

 Daß keiner mir ins Freie wank!" 

 

 

 

 

 Winzerstolz 

 

 "Ich hoff', daß man's am Wein merk: 

 Dies ist ein Vino 

 Von höchstem Niveau! 

 Der ist nämlich mein Werk!" 

 

 

 

 

 Abenteuer des Kay Pirinha 

 

 Wenn vom Blau die Hitze sengt, 
 Kay in seinem Sitze hängt. 
 Gleich will in ihm gären Wut: 
 Stücken-Eise wären gut! 


 Eismaschin' hat feine Art. 
 Auf, zum Händler eine Fahrt! 
 "Du willst mit uns frosten, Kay? 
 Dann trinkst du jetzt kostenfrei 


 Alles was du siehst rundum: 
 Bier und Wein und Gin und Rum ..." 
 Runden jagen Runden stumm, 
 Und bald sind zwei Stunden rum. 


 Wollte später wann zu Anken, 
 Doch die Bar fängt an zu wanken. 
 Jetzt hat Kay 'nen taffen, ihr 
 Glaubt es nicht, ein Affentier, 


 Welches seinen Nacken zwickt 
 Und bei jedem Zwacken nickt. 

 Denkt Kay auch: "Ich schlaffe ab" - 

 Niemals macht der Affe schlapp. 

 

 Schnapsglas hoch, die Welle steigt. 
 Aff nicht von der Stelle weicht. 
 Andren Morgen will Kays Affe 
 Eines nur: viel Eiskaffee ! 

 

 

 

 

 Alkoholische Aversionen 

 

 Mir macht schon das Wort Pein: Portwein! 

 Und nur bitterer Vermouth -- mehr Wut. 

 

 

 

 

 

 © Peter Möck, Berlin 

 

 

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